Das Wunder der Achtsamkeit

Von Robert Nübel, Landesarbeitskreis Kirche und Sport

sowie Sportkreispräsident des Sportkreises Rottweil e. V.

„Mach ihn fertig, Sportsfreund!“ Kämpfen bis zum Umfallen. Zeigt ihnen die Zähne.“

Wie oft sind das die letzten Motivationsaufforderungen der Trainer und Betreuer vor Wettkampfbeginn.

Wo soll ich hier Achtsamkeit im Sport unterbringen? Da fällt mir die Fairplay-Initiative der Württembergischen Sportjugend (WSJ) aus den 80er Jahren mit dem weitblickenden Vorsitzenden Ulrich Mehlhose und Harald Leber ein. Zusammen mit Dr. Gunter A. Pilz vom Institut für Sportgeschichte der Universität Hannover hatte die WSJ das Projekt „Sei sportlich, sei fair“ gestartet und als eine der ersten Landessportjugenden eine großartige Dokumentation und Arbeitshilfe gegen Gewalt tim Sport geschaffen.

Anstatt Fairness zu schulen, werden aber taktische Fouls eingeübt. In manchen Bereichen des Sports weicht die viel gepriesene Fairness und Kameradschaft längst einem unerbittlichem Erfolgsdenken.

„Wir sind von so vielen Wundern umgeben – doch nur der Achtsame nimmt sie wahr.

Wir können Achtsamkeit üben, indem wir bewusst die Dinge unseres Alltags in die Hand nehmen“, betont freilich Anselm Grün, der deutsche Benediktinerpater und erfolgreiche Schriftsteller. Im Sport sollte ich zuerst achtsam zu mir selbst sein. Zu meinem Körper, zu meiner körperlichen Verfassung bzw. Leistungsfähigkeit. Bewege ich mich genug, um meine Muskeln nicht zu vernachlässigen? Nehme ich mir zu viel vor, setzte ich mir die eigene Messlatte zu hoch? Erst wenn ich achtsam zu mir selbst bin, wenn ich Achtsamkeit bewusst lebe, kann ich im Wettkampf den Gegner achten und respektieren.

Kann ein achtsamer Sportler erfolgreich sein? „Gerade bei der gegenwärtigen Hetzjagd zur sportlichen Perfektion“, bemerkt ein Erfolgstrainer, „ist die stille Stunde, in der wir uns aussprechen und versuchen, uns immer besser zu verstehen, nicht nur zu einer lieben Gewohnheit, sondern zu einem Schlüssel unserer Erfolge geworden.“

Achtsamkeit meint nicht verkrampfte Selbstkontrolle über Aktivitäten meines Tuns. Sie ist auch nicht als kritisches Überwachen und Bewerten der Prozesse in Körper und Geist zu verstehen, die immer danach suchen, was gut und was schlecht ist. Die Übung der Achtsamkeit, die der buddhistische Mönch und Meditationslehrer Thich Nhat Hanh in seinem Buch „Das Wunder der Achtsamkeit“ beschreibt, lautet so: „Innehalten und spüren, was ist, schafft Raum für weitere Wunder. Achtsamkeit verschafft uns einen größeren Überblick über die Auswirkungen unserer Gedanken und Handlungen.“

Wollen wir unseren Geist, die Kontrolle und unsere Gedanken zur Ruhe bringen, so müssen wir auch Achtsamkeit für unsere Gefühle und Wahrnehmungen entwickeln und üben. Deshalb ist es wichtig zu lernen, das Vorhandensein aller Gefühle und Gedanken beobachten und erkennen zu können.

 

Erschienen im amtlichen Organ „Sport in BW“

Ausgabe 8/2015 unter der Rubrik: Kirche und Sport

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