Ehrenamtliche der Sportkreise Rottweil und Tuttlingen in Berlin

Kein Stuhl glich dem anderen, kein Referat glich dem anderen und kein Tag glich dem anderen. Wo? In Berlin.  Auf Einladung von Volker Kauder, MdB, Abgeordneter des Wahlkreises Rottweil – Tuttlingen, 1. Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Deutschein Bundestag informierten sich  insgesamt 50 Ehrenamtliche aus dem Sportkreis Rottweil und Tuttlingen über Aktualitäten in Berlin.

Dass Volker Kauder ein Politiker zum Anfassen ist, wurde gleich bei der Ankunft festgestellt, denn er ließ es sich nicht nehmen die Gruppe persönlich, trotz eines vollen Terminkalenders, in Empfang zu nehmen. Auf der Fahrt ins Hotel gab er uns einen kurzen Abriss über die politische Arbeit der Opposition. , über das Wachstum der Wirtschaft, die Agenda 2010 und „Berlin ist Pleite“ . Da wurden wir sogleich hellhörig und neugierig was die Informationsreise vom 2. bis 5. September für uns parat hält. Herr Kauder bekam einen Pluspunkt für sein für uns Zeitnehmen. Die nächsten Tage stillten dann unseren Wissensdurst.

Im Bundesministerium des Inneren, wurden uns anschaulich die Aufgaben vor Augen geführt. Wobei wohl die wichtigste Aufgabe ist, die Menschen vor Verbrechen zu schützen und Sicherheit zu garantieren. Denn nur der Schutz des Einzelnen sichert die Möglichkeit der freien Entfaltung. Doch das Aufgabenspektrum des Bundesinnenministerium umfasst noch viele andere Politikbereiche. Die Förderung des Sports und die Integration von Aussiedlern über ein modernes Zuwanderungsrecht und die Aufnahme von Asylbewerbern bis hin zum Datenschutz. Wir waren erstaunt, dass das Innenministerium 1000 Mitarbeiter beschäftigt und nochmals 400 in Bonn. Einige Zahlen machten uns nachdenklich, so kommen pro Jahr 100.000 Aussiedler nach Deutschland, 17 % der hier ausgebildeten Studenten sind Ausländer und ziehen von dannen, 7,3 Millionen Ausländer wohnen in Deutschland, dass sind 9 % Anteil der Bevölkerung, wobei Stuttgart an zweiter Stelle steht und was uns, die wir aus dem Sport kommen, natürlich sehr aufwühlte, dass etliche Olympiastützpunkte geschlossen werden.

Weiter ging es in die Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße, ehemalige Stasi-Zentrale). Was wir hier im ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit der DDR passiert war, ließ uns erzittern. Für uns unvorstellbar die gegenseitige Bespitzelung, sogar innerhalb der Familie. Es gibt 4 Millionen Akten von DDR-Bürgern und weitere 2 Millionen Akten von ausländischen Bürgern. Wer wissen möchte, ob es über ihn eine Akte gibt, kann dies beim Bundesbeauftragten in Berlin anfordern. Das Schicksal eines Betroffenen, Wolfgang Welsch, wurde in einem Film „Operation Skorpion – Staatsfeind Nr. 1“ dokumentiert. Was bleibt nun jedem Einzelnen? Seinen Teil dazu beitragen, dass es niemals mehr zu einer 3. Diktatur kommen möge!

Während unserer Fahrten in die jeweiligen Informationszentren fuhren wir am längsten noch erhaltenen Mauerstück von 1 Kilometer, der sogenannten „East side Gallery“ vorbei.

Da unsere Bustouren sich überwiegend im östlichen Teils Berlin bewegten, konnten wir erstaunt feststellen, wie viel Erneuerung stattgefunden hatte, Altes vor dem sicheren Verfall in letzter Minute zu bewahren. Pulsierte der  Verkehrsfluss in westlichen Bezirken so war festzustellen, dass in östlichen Bezirken es ruhiger zuging und auch die Geschäftszentren weniger stark frequentiert waren. Ausgetobt haben sich die Architekten am Potsdamer Platz im positivsten Sinne, auch wenn noch nicht alles fertig ist, so kann schon heute festgestellt werden, eine gelungene Symbiose zwischen Kommerz und Kunst.

Dass uns auch das Nachtleben interessierte, war klar und wo die Szene sich grad bewegt konnten wir z. B. in der „Nonne (Bahnhof-Friedrichstr.), „12 Apostel“ (Georgenstr.), „Deponie Nr.3“, „Die letzte Instanz (Sabrinenplatz) oder im „Klo“ (Leibnizstr.) hautnah erleben.

Im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung , erlebten wir via Leinwand und Vortrag  wie die gängigen Medien „bedient“ werden. Und wie sich die Kultur- und Medienpolitik des Bundes engagiert. Übrigens ist der Geschäftsbericht des Presse- und Informationsamtes jedem zugänglich entweder per Internet abrufbar (www.bundesregierung.de) oder wird auf alternativem Postwege jedem Interessierten zugesandt.

In der Landesvertretung Baden-Württemberg, in der „sogenannten guten Stube“, wo kein Stuhl dem anderen glich, empfing uns Herr Kauder zum Mittagessen und zum Diskussionsaustausch. Sein Vortrag ging auf viele Themen ein, die die Menschen derzeit bewegen: Sollen wir von der 38 Std. Woche zur 40 bis 42 Stunden-Arbeitswoche übergehen; die Menschen sind bereit Opfer zu bringen – aber sind das die Lösungen? So ist wohl mit einer Neuverschuldung von 40.000 Milliarden-Euro zu rechnen und für die Jahre 2003 bis 2005 mit 90.000 Milliarden. „So könne auch die Opposition, wenn der Kanzler Rührei vorsetzt, wir keine Spiegeleier daraus machen“, so O-Ton Herr Kauder.

Lob hatte er parat für die Sportvereine, denn sie leisten größte Integrationsarbeit. Nicht nach dem Motto „Ich rieche Geld und bin verführbar“, denn die Übungsleiter sind gewiss nicht verführbar für Geld, sondern sind aus Überzeugung im Verein oder Verband  in ihrer Freizeit ehrenamtlich tätig.

Was ist die EU? Diese Frage wurde im Europäischen Haus für uns beantwortet. Die Europäische Union ist ein wirtschaftlicher und politischer Zusammenschluss von 15 Staaten. Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal, Schweden und Spanien. Mit 12 Staaten führt die EU Verhandlungen über einen Beitritt: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern. Mit der Türkei besteht eine Beitrittspartnerschaft. Die Europäische Union ist somit eine Wertegemeinschaft, eine Verbrauchsgemeinschaft und  eine Schicksalsgemeinschaft um politisch, historisch, kulturell und wirtschaftlich an einem Strang zu ziehen.

Natürlich durfte auch das obligatorische Foto am Südeingang des Reichstagsgebäudes nicht fehlen, ehe es zur Besichtigung des Plenarsaals mit Vortrag über die Aufgaben und Arbeitsweisen des Parlaments kam. Auch wenn sich der Bundestag noch in der Sommerpause befand, konnte man sich schon vorstellen, wie heiß dort diskutiert  wird, wenn es um Mehrheiten und Durchsetzen geht, denn bereits am nächsten Dienstag stehen erhebliche Auseinandersetzungen an wenn es u. a. um die Haushaltsberatungen  mit Einbringung des Etats 2004 geht.

So gewannen wir Einblicke und Ausblicke jeglicher Couleur bei einem Rundgang durch den deutschen Bundestag, von der Kuppel der Aussichtsplattform des Reichtagsgebäudes,  erblickten wir die Schönheiten aus der Vogelperspektive und diese Einblicke und Ausblicke werden noch lange nachklingen und dafür sind wir neben Herrn Volker Kauder auch unserem SportkreisPräsident Robert Nübel, der die ersten Gespräche für das Zustandekommen dieser Einblicke und Ausblicke geführt hatte, dankbar.

Zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln: aus dem Munde von Herrn Kauder erfuhren wir, dass der Kanzler auf den Hund gekommen sei! Die Berliner Tageszeitungen teilten während unseres Berlin-Besuches mit, dass Familie Schröder nun einen Hund namens Holly habe, hoffen wir, dass unser Kanzler nicht wie George Bush mit seinem Hund Barney auch Disziplinprobleme bekommen wird!

Gundi Liebehenschel

Öffentlichkeitsreferentin Sportkreis Rottweil e. V.

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