Interview mit Heinz Walter anlässlich seines 80. Geburtstages am 13. November 2013

Frage:

Theo, wir fahrn nach Lodz – in Abwandlung Heinz wir fahren nach Lotsch

hast du das nicht auch manches Mal gedacht, und zu deinen Eltern gesagt?

Da Lodz  doch dein Gebortsort ist.

Deine Jugendjahre verbrachtest du in Dungelbeck/Niedersachsen, eine Ortschaft mit kaum  1801 Einwohnern, räumlich von Peine nur durch Ackerflächen getrennt.

Heinz:

Nein!

Wir  flohen  am 15. Januar 1945 aus Polen .

Und noch heute sehe ich die vielen, vielen Toten und wie wir in einem Güterzug Richtung Berlin transportiert wurden. Über Pommern ging es zunächst nach Wittenberg, dort wurden wir einquartiert. Mein Vater kam erst im Jahre 1946 aus englischer Gefangenschaft zu uns zurück.  Seitdem sah ich Lodz nie wieder. Manchmal hätte ich schon Sehnsucht, doch dann überwiegen die schlimmen Erinnerungen.

 Frage:

Immerhin gab es in Dungelbeck nicht nur Landluft und Ackerflächen.

Nein es existierte auch ein Turn- und Sportverein, und du warst ein junges aktives Mitglied.

Wie viel Mitglieder waren von den knapp 2000 Einwohnern Vereinsmitglieder:

Antwort Heinz:

Von den 2000 Einwohnern waren etwa 200 aktive Vereinsmitglieder.

 Frage:

Was gefiel dir besser die Turnerei oder der Fußball und weshalb?

Gab es dort schon eine Turnhalle, oder wurde nur im Freien im Sommer Sport getrieben?

Antwort Heinz:

Anfangs fuhr ich zweigleisig: Turnen und Fußball.

Schnell merkte ich, dass der Fußball mir besser gefiel und nachdem ich mir beim Barrenturnen eine blutige Nase zugezogen hatte, gab es nur noch Fußball für mich. Nein eine Turnhalle gab es nicht im „Dorfkrug“. Es war eine  Gaststätte in der wurde geturnt. Die Räumlichkeit wurde für Sport, Kultur, Versammlungen und zum Tanz genutzt. Sozusagen eine „Allzweckhalle“. Eigene Fußballschuhe hatte ich nicht. Ein Kumpel lieh mir seine. Überhaupt hatte die Kameradschaft einen hohen Stellenwert. Und noch heute, wenn ich das einfließen lassen darf, treffen wir uns z. B. wie erst kürzlich zur „Goldenen Konfirmation“. Im Sommer halfen wir den Erwachsenen beim Torf stechen und im Winter wenn das Moor zugefroren war wurde mit Schraubendampfern dort Eishockey gespielt.

So hielten wir uns fit und wir waren nicht fit, wir waren topfit!

 Frage:

Als es deine Eltern dann nach Oberndorf am Neckar zog, liefst du bereits dem runden Leder nach. Wie verlief dein sportlicher Werdegang dort, was trieb dich an?

Antwort Heinz:

Schnell fand ich eine sportliche Heimat beim SpVgg Oberndorf. Und wir waren ein gutes Team.

Die Kameradschaft und das Kräftemessen beim Mannschaftssport Fußball trieb mich an.

Bereits mit 18 ½ Jahren spielte ich in der ersten Mannschaft im Sturm. Da ich immer lauthals schrie: „Lücke, Lücke, Lücke“, hatte ich schnell meinen Spitznamen weg.  Während meiner Lehrzeit 1948 bis 1951 in Dunkelbeck fuhr ich drei Jahre lang mit dem Fahrrad bei Wind und Wetter zu meinem Brötchengeber, will sagen Arbeitgeber. Das hielt mich topfit!

Und zwischenzeitlich ist Oberndorf am Neckar längst meine Heimat geworden!

 Frage:

Ich hörte dass du an zwei aufeinander folgenden Jahren zum Torschützenkönig

Gekürt wurdest. Wie viel Tore hast du denn geschossen?

Gab es damals schon Torprämien in form von Geld- oder Sachpreisen?

Antwort Heinz:

Das stimmt. Pro Jahr schoss ich den Ball 22 x ins Netz.

Ein Spiel bleibt mir besonders in Erinnerung. Es ging um den Aufstieg und wir hatten ein Auswärtsspiel gegen die Marschalkenzimmerer. Aber der Wald-Platz entsprach beileibe nicht den gültigen Regeln. Er  hatte ein Gefälle. Und nichts war’s mit dem Aufstieg. 3:2 verloren wir. Aber dort erzielte ich mein schönstes Tor und zwar mittels des  „Fritz-Walter-Tricks“.

Nach einer Steilvorlage mit dem Absatz senkte sich der Ball ins Tor.

Dass die Zuschauer auch damals schon mal übers Jubeln hinausschießen konnten erlebte ich allerdings auch. Ein am Feldrand stehender Zuschauer knallte mir nach einem erzielten Tor seinen Regenschirm auf den Kopf mit dem Resultat einer dicken Beule. Die Meisterschaft haben wir dennoch an Land gezogen. Von wegen Torprämien. Nichts von alledem.

Manchmal, ich betone manchmal gab es ein Essen als Dankeschön!

 Frage:

Wer war dein Vorbild?

Antwort Heinz:

Fritz Walter!

Sein Charakter, seine Bescheidenheit und die Kameradschaft die ihm immer wichtig war.

Frage:

Nach einem Kreuzbandriß im rechten Knie und wochenlangem Gipsbein war dann Schluss mit Tore schießen

Und du warst als Jugendleiter tätig. Was genau waren deine Aufgaben?

Antwort Heinz:

Der Gips hinderte mich nur daran, nicht mehr selbst dem Ball nachzujagen.

So gab ich gerne mein Wissen beim Training und in der Theorie weiter und war als Schiri für die eigene Mannschaft auf dem Feld. Die Schiedsrichter-Ausbildung hatte ich ja bereits erfolgreich hinter mich gebracht.

 Frage:

Erzähl mal hatten die Schiris schon damals einen recht schweren Stand?

Oder wurde kommentarlos akzeptiert, was der 12.  Mann auf dem Feld entschied?

Antwort Heinz:

Es herrschte eine große Disziplin.

Was der „schwarze Mann auf dem Feld“ sagte und entschied wurde akzeptiert ohne  wenn und aber!

Frage:

Viele weitere Ehrenämter folgten, z. B. im Spielausschuss, Geschäftsführer, 2. Vorsitzender beim SpVgg Oberndorf, Öffentlichkeitsarbeit, zuständig für Ehrungen.

Und als dein Enkel Michael auch sein Herz für den Fußball entdeckte trainiertest du die Bambini und die F-Jugend. Was sind deine schönsten Erinnerungen an diese Zeit?

Antwort Heinz:

Ach, es gibt viele gute Erinnerungen. Möchte keine extra herausstellen.

Es machte Freude die Kleinen ein Stück weit zu begleiten. Fünf Jahre tat ich dies (2000 bis 2005). Dass mein Enkel sich entschied die Tore des Gegners zu verhindern. Gefiel mir nicht so sehr. Hätte ihn gerne als Stürmer in Opas Fußstapfen gesehen. Wichtig war mir, die Kinder spielen zu lassen und weniger gut fand ich wenn die Eltern lautstark ihre Jungs antrieben.

Muss jedoch zu meiner Schande gestehen, Jahre später als ich den Nachwuchs nicht mehr trainierte, tat ich selbiges als Großvater auch.

 Frage:

Viele Ehrungen wurden dir zuteil, und es würde den Rahmen sprengen diese hier alle aufzulisten. Welche Ehrungen haben dich persönlich am meisten gefreut?

Antwort Heinz:

Die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg,

die Verdienstmedaille des Württembergischen Fußballverbandes,

die Goldene Ehrennadel des Württembergischen Landessportbundes

und die Ehrenmitgliedschaft meines Heimatvereins seit 1986.

Frage:

Dass der Sportkreis Rottweil auch auf dich aufmerksam wurde und dich gerne in seinen Reihen hätte, stand außer Frage.  Du sagtest nicht nein und bist nun schon seit 1975 dabei.

Für den Jugendbereich warst du für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Dank deinem Arbeitgeber dem „Schwarzwälder Boten“ war das natürlich eine positive Angelegenheit.

Viele Zeitungsartikel im Sportkreis-Archiv tragen deine Handschrift, da hast du viel Freizeit investiert. Nie bereut?

Antwort Heinz:

Ein klares Nein! Im Gegenteil von mir aus DANKE, denn durch den Sport sprach mich eines Tages der Vertriebsleiter des „Schwarzwälder Boten“ an, ob ich mir vorstellen könne, im Zeitungsvertrieb zu arbeiten. Ich konnte und wurde im Laufe der Jahre dessen rechte Hand. Alljährlich noch heute zur fünften Jahreszeit sind wir im PSC = Prominenten-Schantle-Club“ gemeinsam aktiv!

 Frage:

Aufgaben als Referent für den Breitensport- und Freizeitsport folgten.

Wo lagen dort deine Schwerpunkte?

Antwort Heinz:

Freude, Spaß und Begeisterung den Teilnahmen zu vermitteln.

Dank guter Referenten füllten wir die Hallen mit teilweise 100 Teilnehmern.

 Frage:

Glücklich schätzt sich die Sportkreisfamilie, dass du mit Argusaugen die Medien verfolgst

und alles sammelst was mit dem Sportkreis zu tun hast und fein säuberlich archivierst.

Dürfen wir hoffen, dass du dies auch über deinen 80. Geburtstag hinaus weiterhin pflegst?

Antwort Heinz:

Holt tief Luft und mit einem breiten Grinsen im Gesicht: „Bis Ende 2014!“

 Frage:

Dein ganz spezielles „Baby“ ist die jährlich stattfindende Sportlerehrung des Schwarzwälder-Boten in Kooperation mit der Kreissparkasse Rottweil und dem Sportkreis Rottweil.

Du warst der Initiator dazu. Ich denke alle Sportler die bis dato diese Auszeichnung, die ja von den Lesern der Tageszeitung auserkoren werden, dir dafür dankbar sind.

Für diese  tolle Idee, die Wirklichkeit wurde sagen wir der Sportkreis Rottweil namens aller bis dato geehrten Sportler DANKESCHÖN.

Bist du mit den Regularien in der jetzigen Form zufrieden

oder hättest du eine Idee etwas zu verbessern oder anders zu gestalten?

Antwort Heinz:

Danke für das Kompliment!

Es ist gut so wie es ist. Ein besonderes  Ambiente und stets ein tolles Rahmenprogramm.

Ich danke allen die dafür in der Verantwortung stehen. Ein absolutes Highlight der Sportkreis-Familie im Landkreis Rottweil.

 Danke dass wir ein Stück deiner aktiven Zeit aufhellen durften.

Und wir wünschen, dass wir dich noch viele Jahre zur Sportkreis-Familie zählen dürfen.

Bleibe fit und gesund und wandere/fahre  vielleicht mal  nach Lodz, deinem Geburtsort. Frei nach dem Motto: Ich bin dann  mal weg…

…und genieße den Beginn des achten Lebensjahrzehnts im Kreise deiner Lieben.

 

Interview mit Heinz Walter 24.9.2013 010

„Zwei erfolgreiche Torjäger“ Jubilar Heinz Walter und Sportkreispräsident Robert Nübel

 

 

Text und Foto:

Gundi Liebehenschel,

 

 

 

 

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